Was macht Robert in der Ferne?
Wir haben uns mit Robert während seines jüngsten Besuchs in Berlin zu einem kurzen Gespräch getroffen. Viele von euch kennen ihn wahrscheinlich aus seinen Kursen bei Transmitter. Seit einem Jahr lebt und unterrichtet er in Bangalore, Indien – einer Stadt voller Kontraste, lebendiger Kultur und rascher Veränderungen. Während seines kurzen Urlaubs hier haben wir ihn zu seinem Leben in Indien, den Unterschieden im Unterricht und dem, was er an seiner Heimat am meisten vermisst, befragt.
Transmitter: Du bist jetzt zum zweiten Mal in Bangalore. Was macht diesen Ort für dich so spannend?
Robert: Bangalore ist eine sehr große und dicht besiedelte Stadt im südindischen Bundesstaat Karnataka. In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die Bevölkerung stark verändert, weil viele Menschen aus anderen Teilen Indiens hierher gezogen sind. Bangalore wird als Tech-Hub Indiens bezeichnet, weil hier viele IT-Unternehmen ansässig sind. Man findet hier also viele gut bezahlte Tech-Fachkräfte, aber auch viele junge Menschen aus ärmeren Regionen im Nordosten wie Manipur oder Assam, die hierherkommen, um als Kellner oder auf dem Bau zu arbeiten und auf ein besseres Einkommen zu hoffen. Manchmal gibt es Spannungen zwischen der lokalen Bevölkerung und den Migranten, insbesondere in Bezug auf die Sprache. Die Stadt ist voller Gegensätze.
Transmitter: Was gefällt dir dort am besten?
Robert: Ich genieße es sehr, auf dem Campus der Christ University und der Christ School zu leben. Es ist eine große, grüne Oase, umgeben von einer lauten und überfüllten Nachbarschaft.
Tagsüber sieht man Studenten und Dozenten herumlaufen, aber auch viele Priester in ihren langen weißen Gewändern. In der Freizeit kann man Studenten beim Improvisationstheater oder Tanzen beobachten. Am Abend wird es auf dem Campus ruhig.
Transmitter: Welche kulturellen Unterschiede haben dich am meisten fasziniert?
Robert: Es gibt viele, aber ich denke, die Rolle des Glaubens und der Spiritualität hat mich besonders beeindruckt. Religion spielt im Alltag eine viel größere Rolle als in Deutschland. Einige meiner katholischen Studenten gehen nicht nur sonntags in die Kirche, sondern besuchen jeden Tag die Messe.
Dann gibt es so viele hinduistische Feste – fast jede Woche findet etwas statt – und unzählige Tempel. Man findet auch Sikh-Gurdwaras, Jain-Tempel und viele Moscheen. Bangalore hat eine große muslimische Gemeinde, und auch wenn es nicht immer perfekt ist, funktioniert das friedliche Zusammenleben der Religionen recht gut.
Transmitter: Du unterrichtest hauptsächlich indische Gymnasiasten in Bangalore. Unterscheidet sich dein Ansatz von dem, wie du bei Transmitter unterrichtet hast?
Robert: Ja, auf jeden Fall. Meine Schüler hier am Junior College – oder Pre-University, wie es auch genannt wird – sind meist minderjährig, einige sind gerade einmal 15 Jahre alt. Das ist ein großer Unterschied zu meinen Schülern bei Transmitter, die alle erwachsen waren. Daher sind die Themen im Unterricht viel stärker mit der Jugendkultur verbunden – was Teenager in Indien und Deutschland interessiert, wie sie soziale Medien nutzen, Jugendsprache und solche Dinge. Ein weiterer Unterschied ist, dass ich auch mit ihren Eltern über Dinge wie Anwesenheit, Prüfungen oder Studienmöglichkeiten in Deutschland spreche. Ich habe auch eine Kooperation mit einem Unternehmen aufgebaut, das Pflegeheime in Norddeutschland betreibt. Nach Erreichen des Deutschniveaus B1 haben unsere Schüler die Möglichkeit, nach Deutschland zu ziehen und eine dreijährige Berufsausbildung zum qualifizierten Pflegepersonal zu beginnen.
Transmitter: Gibt es etwas, das du vermisst, während du in Indien bist?
Robert: Eine ganze Menge. Saubere Luft, ordentliche Gehwege, auf denen man nicht Angst haben muss, in ein Loch zu fallen, sicherer Verkehr. Und vor allem ein soziales Netzwerk.
Als Ausländer ist es hier nicht so einfach, Freunde zu finden. Die Menschen sind sehr familienorientiert und haben weniger Freizeit und Freundschaften mit Ausländern sind nicht etwas, das viele Menschen suchen. Das ist anders als an anderen Orten, an denen ich gelebt habe – wie zum Beispiel in China –, wo es mir leichter fiel, Kontakte zu knüpfen und Freunde vor Ort zu finden. Die schnelle Entwicklung von Bangalore hat auch ihre Schattenseiten. Vor einigen Jahrzehnten war Bangalore als die grünste Stadt Indiens bekannt, mit vielen Parks, Wäldern und Seen. Luftbilder und die Erzählungen älterer Einwohner haben mir eine Vorstellung davon vermittelt, wie viel von diesem grünen Charme heute verloren gegangen ist.
Transmitter: Was sind deine Pläne für die Zukunft?
Robert: Nachdem ich insgesamt zwei Jahre in Indien verbracht habe, habe ich das Gefühl, dass es bald Zeit ist, nach Deutschland zurückzukehren – zumindest für eine längere Zeit. Was danach passiert, ist noch völlig offen. Vielleicht werde ich weiter unterrichten, oder vielleicht kommt etwas ganz anderes auf mich zu. Ich werde höchstwahrscheinlich kein Investmentbanker werden. Im Moment fühlt sich die Zukunft weit offen und unbekannt an.
Transmitter: Vielen Dank, Robert, für diese Einblicke und Geschichten! Wir wünschen dir viel Spaß und unvergessliche Erlebnisse für den Rest deiner Zeit in Indien. Bis bald!

